ADHS in Baden-Württemberg auf dem Vormarsch

17.03.2010 | Hannover
Das Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom ADHS ist in Baden-Württemberg weiter auf dem Vormarsch. Nach einer aktuellen Versichertenanalyse der Krankenkasse wurden im vergangenen Jahr 3,3 Prozent der Kinder zwischen sechs und 18 Jahren mit Psychostimulanzien (mit dem Wirkstoff Methylphenidat und Atmoxetin) gegen ADHS behandelt.

Im Vergleich zu 2005 entspricht dies einer Steigerung von 56 Prozent. Bundesweit wurden 2009 3,8 Prozent der Kinder mit Psychostimulanzien behandelt. "Es liegt die Vermutung nahe, dass zu viele Kinder mit den Wirkstoffen regelrecht ruhig gestellt werden sollen und dies über immer längere Zeiträume", sagt Bettina Möhrle, Leiterin des KKH-Allianz Servicezentrums in Ravensburg.

Kranke Kinder nehmen mehr Medikamente

Auch der Jahresverbrauch jedes einzelnen gegen ADHS behandelten Kindes ist in Baden-Württemberg zwischen 2005 und 2009 um 16,6 Prozent gestiegen. Während 2005 noch durchschnittlich 170 Tagesdosen der häufig verschriebenen Stimulanzien je Kind verabreicht wurden, waren es im Jahr 2009 bereits 198 Tagesdosen pro Jahr. "Die Zahlen zeigen, dass kranke Kinder länger bzw. mit höheren Dosen behandelt werden. Der gestiegene Jahresverbrauch pro Kind könnte auf einen sorgloseren Umgang mit den Psychostimulanzien hindeuten", so Möhrle.

Ärzte sollten sich genügend Zeit nehmen

Betroffenen Eltern rät die Gesundheitsexpertin, die Therapie ihrer Kinder ausführlich mit dem behandelnden Arzt zu besprechen. "Eine seriöse Diagnose erfordert detaillierte Untersuchungen. Hierfür sollte sich der Arzt genügend Zeit nehmen und gegebenenfalls Experten anderer Fachrichtungen hinzuziehen." Nicht jedes unaufmerksame, zappelige Kind habe gleich ADHS, so Möhrle. "Eine medikamentöse Behandlung sollte in jedem Fall gut überlegt sein. Denn über langfristige Nebenwirkungen von Psychostimulanzien ist noch zu wenig bekannt."

Über das Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom (ADHS)

ADHS bzw. ADS wird eine schon im Kindesalter beginnende psychische Störung genannt. Die auch als Zappelphilipp-Syndrom bekannte Erkrankung äußert sich durch hyperaktives Verhalten. Betroffene haben Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren, sind ständig unruhig und fallen zum Beispiel in der Schule durch Störverhalten auf. Ursache ist eine fehlerhafte Informationsverarbeitung zwischen verschiedenen Hirnabschnitten. Die Krankheit kann genetisch bedingt sein.

Quelle: Pressemeldung KKH-Allianz

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