Breite Akzeptanz von Masern-Impfungen

29.06.2009 | Basel
Eine deutliche Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer befürwortet die Masernimpfung. Auch die persönlichen Erfahrungen mit Impfungen im Kindesalter sind überwiegend positiv. Dennoch ­ wenn es darum geht, die Verantwortung für die Schutzimpfung der Kinder zuzuordnen, sind die Ansichten gespalten. Dies geht aus dem neuesten "gfs-Gesundheitsmonitor" von gfs.bern hervor.

Der Repräsentativbefragung, die Claude Longchamp und sein Team zum 13. Mal für Interpharma erstellt haben, lässt sich weiter entnehmen, dass trotz Prämienlast das System der Krankenversicherung in seinen Grundzügen unbestritten ist. Der Leistungskatalog wird als ausreichend beurteilt. Einschränkungen in Bezug auf die freie Arztwahl oder den Zugang zu den bestmöglichen Therapien wollen Stimmbürgerinnen und Stimmbürger auch weiterhin nicht hinnehmen. Abstriche an der Pharmaforschung oder beim Aufwand für Medikamente würden nur Minderheiten von 17 Prozent bzw. 24 Prozent unterstützen, schon eher sähen 57 Prozent der Befragten Sparpotenzial bei den Verwaltungskosten der Krankenkassen.

Schweizerinnen und Schweizer befürworten mehrheitlich die Masernimpfung. Über die Masernerkrankung wissen sie recht gut Bescheid. 63 Prozent der Befragten wissen, dass Masern nicht harmlos und für Kinder tödlich sein können. Sie sind sich auch bewusst, dass es in der Schweiz nach wie vor Masernerkrankungen gibt. Nur jede dritte Person glaubt allerdings, dass Schweizer/-innen Masern ins Ausland verschleppen, und weiss nicht, dass die Impfungsrate in unserem Land unter dem Standard der WHO liegt. Die persönlichen Erfahrungen mit Impfungen im Kindesalter sind für 61 Prozent der Befragten uneingeschränkt positiv. Dennoch: Bei der Frage, wer für die Schutzimpfung der Kinder verantwortlich sein soll, sind die Ansichten gespalten. Für 36 Prozent ist dies klar Sache der Eltern, für 28 Prozent steht der Staat in der Pflicht.

Abwarten mit dem Arztbesuch

Schweizerinnen und Schweizer beurteilen ihren Gesundheitszustand seit einigen Jahren tendenziell als weniger gut. Auf die Frage: "Wie geht es Ihnen zurzeit gesundheitlich?" antworteten in der Befragung zum "gfs-Gesundheitsmonitor 2009" 12 Prozent "schlecht". Vor zehn und mehr Jahren lag dieser Umfragewert regelmässig bei etwa 1 Prozent. Trotz dieser Entwicklung verringerte sich der Anteil der Stimmbürger/-innen, welche sich in ärztliche Behandlung begeben haben. Nur 26 Prozent der Befragten hatten in den 12 Monaten vor dem Interview zur Behandlung einen Arzt aufgesucht. Noch neun Jahre zuvor lag der entsprechende Wert 17 Prozentpunkte höher. Es scheint, dass bei Beschwerden der erste Arztbesuch hinausgezögert wird. Ein Indiz dafür ist die Tatsache, dass 48 Prozent der Befragten in den letzten 12 Monaten nie in medizinischer Behandlung oder Kontrolle waren.

Kassenwechsel wegen Prämienlast im Trend

Dreizehn Jahre nach Einführung des Krankenversicherungsgesetzes (KVG) haben 53 Prozent der Befragten einen "positiven" oder "eher positiven" Eindruck vom Gesundheitswesen in der Schweiz. Die Akzeptanz des KVG ist damit tiefer als im Vorjahr (68%), trotzdem wird der aktuelle Leistungskatalog in der Grundversicherung von 73 Prozent als ausreichend beurteilt, dies ist ein Spitzenwert. Entsprechend gibt es weniger Forderungen, Neues in die Grundversicherung aufzunehmen.

Die aktuelle Befragung erfolgte vor Bekanntgabe des "Prämienschocks". Die Tendenz zum Kassenwechsel hat sich aber auch ohne diese Nachricht weiter fortgesetzt. Rund ein Fünftel der Befragten hat in den letzten 5 Jahren die Kasse gewechselt. Weitere 5 Prozent erwägen den Schritt. Grund ist mehrheitlich die Prämienentwicklung. Während Schweizerinnen und Schweizer in früheren Jahren "aus Tradition" einer Kasse lange die Treue hielten, hat das Angebot an Leistungen deutlich an Gewicht gewonnen. Setzen sich die beobachteten Trends fort, ist es möglich, dass dieses Argument in 1 bis 2 Jahren der Hauptgrund für den Verbleib bei einer Krankenkasse sein wird.

Prämiensystem im Grundsatz unbestritten

Das heutige System mit Kopfprämien und Risikoausgleich ist unbestritten (90% bzw. 87%). Deutliche Mehrheiten plädieren für einkommensabhängige Prämien und Franchisen sowie für Belohnungen bei Nichtbeanspruchung von Leistungen und gesundheitsförderndem Verhalten in Form eines Bonus. Die generelle Erhöhung von Franchisen und Selbstbehalt stösst aber auf wenig Gegenliebe. Die Zustimmung zwischen 19 Prozent und 27 Prozent ist klar nicht mehrheitsfähig.

Müssten die Stimmberechtigten angesichts der Sparanstrengungen bestimmen, wo mehr bzw. weniger Geld hin fliessen sollte, so würden sie den Hebel bei den Verwaltungskosten der Krankenkassen ansetzen (57%). Die höchste Sympathie geniesst nach wie vor die Spitex. Ihr würde jede dritte befragte Person mehr Mittel zugestehen. Nur 24 Prozent würden bei den Medikamenten sparen. 81 Prozent wünschten sich, dass für die Erforschung von neuen Medikamenten gleich viel oder gar etwas mehr Geld verfügbar wäre (62% bzw. 19%).

Vertragsobligatorium unangetastet

Einschränkungen bei den Wahlfreiheiten sind generell nicht beliebt. Wie im Vorjahr besteht bei einer knappen Mehrheit Bereitschaft zu Konzessionen bei Therapiefreiheit und Spitalwahl, wenn damit Prämiensenkungen verbunden wären. Abstriche beim Zugang zu innovativen Medikamenten aus Kostengründen stossen auf zunehmend stärkere Ablehnung (64%) und auch ein Abbau des Leistungskataloges steht nicht zur Diskussion (5% Zustimmung).

Ärzte glaubwürdigste Leistungserbringer, Pharma positiv besetzt

Seit über zehn Jahren führen die Ärztinnen und Ärzte die Rangliste der Leistungserbringer hinsichtlich Kompetenz und Verantwortung an. Dicht dahinter folgen Apotheker und Pharmaindustrie. Ausgesprochen positiv wird die Pharmabranche in folgenden Punkten beurteilt: Sie gilt als gute Arbeitgeberin (95%) und als Motor der Exportwirt-schaft (93%). Unbeeinflusst von der Diskussion um die Medikamentenpreise sind 84 Prozent der Befragten der Meinung, dass grosse Gewinne in der Pharmaindustrie notwendig sind, um die Forschung zu finanzieren.

"gfs-Gesundheitsmonitor 2009" auf dem Web

Das Wichtigste in Kürze zum "gfs-Gesundheitsmonitor 2009" finden Sie in der Rubrik "Fakten und Statistiken". Der Kurzbericht kann auch als Datei im PDF-Format heruntergeladen werden. Ebenso stehen die darin verwendeten Grafiken in einem gängigen Format für eigene Verwendungen zur Verfügung.

Quelle: Pressemeldung Interpharma, Verband der forschenden pharmazeutischen Firmen der Schweiz

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