Frühlingsboten eines neuen Gesundheitssystems
Wie lässt sich die Versorgung schwer kranker Patienten nachhaltig verbessern? Welche Methoden berücksichtigen die individuellen Bedürfnisse der zu versorgenden Menschen? Wie können Ressourcen und Verantwortlichkeiten im Gesundheitswesen gebündelt und Einsparungen erzielt werden? Diese und andere Fragestellungen standen im Mittelpunkt der von Professor Dr. Klaus Heilmann moderierten Veranstaltung "Handeln statt Reden - Erfolgreiche Patientenversorgung in Deutschland" am 25. Oktober 2005 in München. Bei diesem Mediengespräch diskutierten Experten und Medienvertreter Alternativen zur zersplitterten Versorgung im heutigen Gesundheitssystem und zeigten zukunftsweisende Wege auf. Veranstalter waren die betapharm Arzneimittel GmbH und das beta Institut für angewandtes Gesundheitsmanagement aus Augsburg.
In seinem Vortrag "Die Zukunft einer menschlichen und wirtschaftlich erfolgreichen Gesundheitsversorgung" forderte Dr. Ellis Huber, ehemaliger Präsident der Berliner Ärztekammer und jetziger Vorstand der Securvita BKK, ein radikales Umdenken im deutschen Gesundheitssystem. Derzeit flössen 40 bis 50 Prozent der Krankenkassenmittel in Prozeduren, die nichts mit der primären Wertschöpfung in der Patientenversorgung zu tun hätten, kritisierte Huber. Dabei mache der Blick auf Wirtschaftsorganisationen deutlich, welche Faktoren zum Erfolg führen: Pioniergeist, Konfliktfähigkeit, "Wir-Gefühl", Sinnvermittlung und offene Kommunikation. Nichts davon sei im heutigen Gesundheitswesen erfüllt. Vielmehr regierten Unflexibilität, Misstrauen und die reine Fixierung auf Rentabilität, die dazu führt, dass Patientenprobleme an das Abrechnungssystem angepasst werden. Nicht nur die psychosoziale Kommunikation zwischen den Versorgungsprozessen müsse gestärkt werden, meint Huber, sondern eine neue Kultur des Vertrauens müsse entstehen. Nur so könne der Übergang von bürokratisch aufwändigen und kostspieligen Überwachungsmechanismen in ein System der Selbstkontrolle funktionieren. Um Qualität trotz weniger Regulierung von oben zu gewährleisten, schlägt er die Etablierung eines Rückmeldesystems à la eBay vor - Nutzer des erfolgreichen Internet-Marktplatzes schützen sich vor unseriösen Anbietern, indem sie bei Transaktionen Bewertungen abgeben.
In den, auf der Veranstaltung vorgestellten Projekten sieht Huber "Frühlingsboten eines neuen Gesundheitssystems", die durch den Ansatz einer Co-Produzentenleistung von einer neuen Humanität und Wirtschaftlichkeit kündigten.
Auffällig war, dass alle vorgestellten Projekte bei komplexen Fällen nach der Methode Case Management arbeiten. Die Referenten betonten allerdings auch, dass es sich dabei um professionelles, voll umfängliches Case Management von hoher Professionalität handelt.
Diplom-Ökonomin Andrea Thorenz, Projektleiterin mammaNetz, erläuterte am Beispiel der deutschlandweit ersten Begleit- und Orientierungsstelle für Frauen mit Brustkrebs Herangehensweise und Ergebnisse des integrierten Versorgungsmodells. Das Augsburger mammaNetz sorgt dafür, dass die Behandlung sowie weitere Bedürfnisse der Patientinnen im Gesundheits- und Sozialsystem besser koordiniert werden. mammaNetz begleitet Frauen von der Diagnose bis zur Nachsorge und vernetzt auch die Leistungserbringer untereinander. Das Projekt wird aufgrund seines Erfolges bereits in anderen Regionen Deutschlands adaptiert. Erste Ergebnisse einer Begleitstudie belegen positive Effekte auf mehreren Ebenen.
Das von der Ärztin Mona Frommelt vorgestellte Projekt HomeCare Nürnberg (HCN) ist ein in Deutschland einzigartiges Serviceangebot. Als Teil des Praxisnetzes Nürnberg Nord vernetzt HCN regionale Versorgungs- und Dienstleistungen für ältere und bedürftige Menschen. Im Rahmen von ärztlich induziertem Case Management ermöglicht HCN die sektorenübergreifende und integrierte Versorgung in den Bereichen Medizin, Pflege, Therapie, Altenhilfe und alltagspraktische Dienste.
Diplom-Pädagoge Winfried Limbrock, Geschäftsführer des "Bunten Kreises Münsterland", präsentierte ein bereits in 17 Regionen erfolgreich praktiziertes Konzept der umfassenden Betreuung von Familien mit chronisch und schwerstkranken Kindern. Die Betreuung durch den "Bunten Kreis" setzt in der stationären Phase ein, unterstützt vor allem den kritischen Übergang nach Hause und vernetzt die betroffenen Familien mit allen Helfern im Umfeld. Eine gesundheitsökonomische Studie bewies, dass diese "Familiennachsorge" dem Gesundheitssystem Kosten spart.
Im Anschluss beschrieb Diplom-Gerontologe Martin Kamps das Ahlener Projekt einer Pflege- und Wohnberatung. Die Koordinationsstelle Ambulanter Angebote (KAA) ermöglicht pflegebedürftigen Bürgern der Stadt Ahlen möglichst lange ein Leben zu Hause. Das entlastet die Angehörigen und die Kostenträger spürbar. Die Mitarbeiter der KAA Ahlen beraten nicht nur kostenlos bei allen Fragen rund um Pflege und Wohnanpassung, sondern koordinieren bei Bedarf auch die notwendigen Dienste und Leistungen.
"Case-Management-Projekte wie die oben beschriebenen sind erfolgreiche Alternativen. Von einer ganzheitlichen und vernetzten Versorgung nach der Methode Case Management profitieren die Patienten und alle Beteiligten im Gesundheitssystem", erklärt Petra Kinzl, Pressesprecherin der betapharm Arzneimittel GmbH. Kinzl ergänzt: "Bei der Versorgung von schwer kranken und pflegebedürftigen Menschen müssen neben der Therapie der Erkrankung stets auch ihre psychischen und sozialen Bedürfnisse - und auch die ihrer Angehörigen - berücksichtigt werden. Eine höhere Effizienz des Gesundheitssystems ist nur möglich, wenn die verschiedenen Leistungserbringer vernetzt werden und die Patienten eine Anlaufstelle zur Orientierung haben."
Die Veranstalter betapharm und beta Institut befassen sich seit mehreren Jahren mit der Verbesserung der Patientenversorgung im deutschen Gesundheitssystem. Sie überprüfen vorhandene und entwickeln neue Herangehensweisen an die erkannten Probleme und schaffen mit Modellprojekten und wissenschaftlichen Begleitstudien die Grundlagen für eine verbesserte, ganzheitliche Bewältigung von Krankheiten. Bildmaterial zur Veranstaltung können Sie bei der Agentur BrandPR anfordern.
Quelle: Pressemeldung betapharm Arzneimittel GmbH
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