Fünfte Tranche der Arzneimittelrabattverträge komplett

06.08.2010 | Berlin
Vergabekammer des Bundes bestätigt AOK-Ausschreibungsverfahren

Die fünfte Tranche der AOK-Arzneimittelrabattverträge kann in vollem Umfang zum 1. Oktober in Kraft treten. Die 1. Vergabekammer des Bundes hat das von einem Pharmaunternehmen angegriffene bundesweite Ausschreibungsverfahren des AOK-Systems für den Wirkstoff Betamethason in allen Punkten rechtskräftig bestätigt. Die AOK hat daraufhin am Freitag (6. August) die Zuschläge erteilt. Sie gehen für alle fünf regionalen Gebietslose an die mittelständische GALENpharma GmbH. Für weitere elf Wirkstoffe hatte die AOK bereits am 29. Juni 2010 die Zuschläge erteilt. Dank Arzneimittelrabattverträgen wird die AOK-Gemeinschaft allein im laufenden Jahr 520 Millionen Euro einsparen. Einschließlich bisheriger Verträge beläuft sich das Einsparvolumen zugunsten der Versicherten inzwischen auf rund eine Milliarde Euro.

"Die Entscheidung der Vergabekammer belegt einmal mehr, dass sich das Ausschreibungsverfahren der AOK bewährt hat und für alle Beteiligten Rechtssicherheit und Planbarkeit innerhalb des strengen Rahmens des Vergaberechts garantiert", sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der AOK Baden-Württemberg und Verhandlungsführer des AOK-Systems für die Arzneimittelrabattverträge, Dr. Christopher Hermann, am Freitag in Stuttgart. Zudem mache die erneute Vergabe an einen Kleineren der Pharmabranche deutlich, dass gerade die Rabattverträge der AOK mittelstands- und wettbewerbsfreundlich seien.

Hermann warnte nochmals vor den Folgen der geplanten Änderung der rechtlichen Rahmenbedingungen für die Arzneimittel-Rabattverträge: "Wenn die Bundesregierung dem Drängen gerade der großen Pharmaunternehmen nachgibt und zum 1. Januar 2011 die Zuständigkeit von den Sozialgerichten auf die Zivilgerichte verlagert und allen bisherigen Gerichtsentscheidungen die rechtliche Bindungswirkung entzieht, beginnen die juristischen Auseinandersetzungen wieder von vorn. Die Hersteller werden die Krankenkassen mit einer Klageflut überziehen, um den Abschluss neuer Verträge nach Kräften zu blockieren." Besonders kritisch sieht Hermann die angekündigte zusätzliche Anwendung des gesamten Kartellrechts für gesetzliche Krankenkassen. "Hier würden Körperschaften des öffentlichen Rechts EU-rechtswidrig wie privatwirtschaftliche Unternehmen, die auf Profit aus sein müssen, behandelt."

2011 laufen Arzneimittelverträge der AOK über 63 der meistverkauften Generika aus. Sie allein umfassen für die AOKs ein Verordnungsvolumen von weit über zwei Milliarden Euro.

"Diese im Gesetz zur Neuordnung des Arzneimittelmarktes programmierte Rechtsunsicherheit darf nicht zu einem Milliardengeschenk an die Pharmaindustrie führen", betonte der AOK-Vorstand. Die Leidtragenden dieser Entwicklung würden vor allem die Versicherten sein, die für diese Geschenke verstärkt zur Kasse gebeten würden. Deshalb müssten die geplanten erneuten Kartellrechtsinjektionen und die Änderungen des Rechtsweges wieder aus dem Gesetzentwurf heraus. Die Bundesregierung unterlaufe sonst ihre eigenen Pläne zur strukturellen Ausgabenbegrenzung und gefährde die Arzneimittelrabattverträge als das bisher erfolgreichste wettbewerbliche Instrument zur Steuerung der Arzneimittelausgaben. "Auch das für die Aufsicht über viele Krankenkassen zuständige Bundesversicherungsamt und das Bundessozialgericht haben sich deutlich gegen diesen Irrweg ausgesprochen. Es gibt keinen sachlichen Grund, ein rechtssicheres und bewährtes Verfahren zu kippen", betonte Hermann.

Quelle: Pressemeldung AOK-Bundesverband GbR

Dieser Beitrag wurde bisher 106 mal gelesen.
(Rang 263 auf medikamente-und-arznei.de)

Klicken Sie hier um zum Anfang der Seite zu gelangen.

Weitere News

Das Handy als Thermometer, Blutdruck- und Blutzuckermesser

17.11.2011 | Smartphones können bei Therapie und Gesundheitschecks helfen Rund 15.000 Gesundheits-Apps Apps als...

weiter in Das Handy als Thermometer, ...

Krankenkassen erreichen positives Finanzergebnis im ersten Quartal 2011

326 mal gelesen. Rang 20 auf medikamente-und-arznei.de.

17.06.2011 | In den ersten drei Monaten 2011 haben die gesetzlichen Krankenkassen ein Plus von 1,468 Milliarden Euro...

weiter in Krankenkassen erreichen positives ...

Forschung zum Mitmachen: Boehringer Ingelheim auf dem Wissenschaftsmarkt in Mainz

318 mal gelesen. Rang 24 auf medikamente-und-arznei.de.

30.05.2011 | Boehringer Ingelheim präsentiert sich auch in diesem Jahr auf dem Wissenschaftsmarkt der Johannes...

weiter in Forschung zum Mitmachen: Boehringer ...

Wider die Illusion

20.05.2011 | Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) mahnt dringenden Handlungsbedarf in bestimmten...

weiter in Wider die Illusion ...

Steigende Zuzahlungen für Kassenpatienten

21.04.2011 | Kassenpatienten mussten im vergangenen Jahr 1,8 Milliarden Euro für Arzneimittel auf Rezept aus der eigenen...

weiter in Steigende Zuzahlungen für ...



Aktuelles

Zedernsohle gegen Schweißfüße

Schweißfüße sind unangenehm Wenn die Füße riechen ist das...

weiter ...

29. Oktober 2011: Weltschlaganfalltag

Schlaganfall-Hilfe bietet Informationen zur Steigerung der...

weiter ...

Weitere Themen

Offizieller Startschuss für brandenburgisches Telemedizin- Netz gefallen

Hochrisiko-Herzpatienten werden aus der Ferne rund um die...

weiter ...

Bundesverwaltungsgericht unterstreicht Bedeutung des Nacht- und Notdienstes

Mit der jüngsten Entscheidung zum Nacht- und Notdienst in...

weiter ...

Archiv

Das Handy als Thermometer, Blutdruck- und Blutzuckermesser

Smartphones können bei Therapie und Gesundheitschecks helfen...

weiter ...

Krankenkassen erreichen positives Finanzergebnis im ersten Quartal 2011

In den ersten drei Monaten 2011 haben die gesetzlichen...

weiter ...