Künftiges Honorarsystem muss Arzt-Patienten-Verhältnis wieder stärker in den Mittelpunkt rücken

11.11.2009 | Berlin
Der Vorsitzende des Hartmannbundes, Prof. Dr. Kuno Winn, hat einen grundlegenden Paradigmenwechsel im ärztlichen Honorarsystem gefordert. "Wir müssen in der medizinischen Versorgung weg von der Belohnung von Quantität und hin zu einer Honorierung von Qualität und Individualität", sagte Winn heute in Berlin.

Der durch die gegebene Systematik vorgezeichnete Weg in die "Stückzahl-Medizin" mit ihren qualitätsfeindlichen - lediglich an der Patientenzahl orientierten - Berechnungsgrundlagen müsse verlassen werden. "Wir brauchen Mechanismen in der Honorierung, die es dem Arzt ermöglichen, sich stärker jedem einzelnen Patienten zu widmen", sagte Winn. Es sei die Fähigkeit des Arztes, für seinen Patienten individuell das Beste zu tun, die den Maßstab für die Qualität seiner Arbeit setze. "Die Therapiefreiheit des Arztes, die Eigenverantwortung des Patienten und das gegenseitige Vertrauen müssen wieder die maßgeblichen Faktoren sein", ergänzte der Hartmannbund-Vorsitzende. Nur in einem unmittelbaren Arzt-Patienten-Verhältnis ließe sich beurteilen, welche Behandlungsmethoden - ob moderne Technik, Arzneimittel oder auch Beratung und Gespräch - in welcher Gewichtung optimale Heilungschancen gewährleisten. Für eine qualitätsorientierte Honorierung, die sich an genau diesen Werten orientiere, bedürfe es allerdings keines neuen Korsetts, das den - ohnehin nicht erfüllbaren - Anspruch erhebe, Ergebnisqualität ärztlicher Leistungen zu definieren, erklärte Winn mit Hinweis auf Pläne der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Deren Bestrebungen, die Vergütung einer ärztlichen Behandlung an derartigen Kriterien festmachen zu wollen, beruhten auf der irrigen Annahme, alle dafür nötigen Einflussfaktoren umfassend berücksichtigen und auf die Kalkulation umlegen zu können. Vielmehr, so Winn, bedürfe es fantasievoller Regelungen, die die Qualität in der individuellen Therapie "barrierefrei" fördern und ermöglichen. Der Hartmannbund-Vorsitzende kündigte an, diesen Paradigmenwechsel in der Honorierung ärztlicher Leistungen auch zum Thema des Deutschen Ärztetages 2010 in Dresden zu machen.

Quelle: Pressemeldung Hartmannbund - Verband der Ärzte Deutschlands e.V.

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