Licht und Schatten im Arzneimittelmarkt

18.06.2007 | Schwäbisch Gmünd
GEK-Arzneimittel-Report 2007

Schwäbisch Gmünd (GEK). Die Reformen im Gesundheitswesen haben sich im Arzneimittelbereich wirtschaftlich positiv ausgewirkt. Durch die Zuzahlungsbefreiung für besonders preiswerte Medikamente konnten gesetzlich Versicherte seit Juli 2006 in acht Monaten 78 Millionen Euro einsparen. Dagegen liegt im Verordnungsbereich noch einiges im Argen. Obwohl Studien belegen, dass eine Hormontherapie als Langzeitanwendung nicht mehr zeitgemäß und sogar riskant ist, wird sie in Deutschland immer noch häufiger verordnet als in vergleichbaren Ländern. Außerdem erhalten Frauen fast doppelt so häufig wie Männer Arzneimittel verschrieben, die abhängig machen können. Zu diesen Ergebnissen kommt der GEK-Arzneimittel-Report 2007, der wichtige Erkenntnisse zur Qualität der Arzneimittelversorgung liefert.

Als wissenschaftlicher Leiter der Studie erklärte Prof. Dr. Gerd Glaeske, der auch Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen ist, dass Anreize in unserem Gesundheitswesen eine steuernde Wirkung hin zu mehr Wirtschaftlichkeit entfalten können: "Viele Hersteller von Generika haben die Preise drastisch abgesenkt, um ihre Arzneimittel ohne Zuzahlung anbieten zu können. Das hat dazu geführt, dass auch Hersteller teurer Präparate für viele Produkte überraschend starke Preissenkungen vornahmen." Seine Auswertung ergab auch, dass trotz angestiegener Menge der Tagesdosierungen die Ausgaben gegenüber dem Jahr 2005 deutlich gesunken sind.

So konnten Versicherte der Gesetzlichen Krankenversicherung in nur acht Monaten 78 Millionen Euro einsparen, indem sie sich preiswerte Arzneimittel ohne Zuzahlung verschreiben ließen. Der Vorstandsvorsitzende der GEK, Dieter Hebel, führte dazu aus: "Versicherte, die auf wirtschaftlich vernünftigen Arzneimitteln bestehen, zeichnet Kompetenz und Mündigkeit aus. Sie benötigen aber auch umfassende Informationen, die wir ihnen als ihre Krankenkasse liefern müssen."

Erst vor wenigen Wochen hat die GEK mit drei führenden Generikaherstellern, ratiopharm, AbZ und CT-Arzneimittel, Rabattverträge geschlossen, durch die den GEK Versicherten 1.600 zuzahlungsbefreite Präparate zu Verfügung stehen.

Die Auswertung der Daten des GEK-Arzneimittel-Reports 2007 zeigt aber auch Mängel in der Versorgungsqualität auf. Nachdem wissenschaftliche Untersuchungen belegt haben, dass die Hormontherapie in und nach den Wechseljahren nicht zur Prävention und Therapie verschiedener Erkrankungen geeignet ist, wird sie in Deutschland immer noch deutlich häufiger verordnet als in den Nachbarländern wie den Niederlanden. Zudem kritisiert Glaeske neben der Häufigkeit auch die lange Einnahmedauer von Hormonpräparaten.

Einen dringenden Verbesserungsbedarf sieht der GEK Chef Hebel auch in der Missachtung von Wechsel- und Nebenwirkungen von Arzneimitteln, durch die in Deutschland nach Expertenschätzungen pro Jahr 25.000 Menschen zu Tode kämen. Der GEK-Arzneimittel-Report belegt zudem, dass Frauen beinahe doppelt so häufig Antidepressiva, Schlaf- und Beruhigungsmittel erhalten wie Männer. Allein 9.480 GEK Versicherte erhalten bestimmte Schlaf- und Beruhigungsmittel mit abhängig machenden Substanzen über einen zu langen Zeitraum. 5.500 davon sind Frauen. "Die Sucht auf Rezept ist in Deutschland immer noch Realität," resümierte Dieter Hebel.

Quelle: Pressemeldung Gmünder ErsatzKasse GEK

Dieser Beitrag wurde bisher 108 mal gelesen.
(Rang 250 auf medikamente-und-arznei.de)

Klicken Sie hier um zum Anfang der Seite zu gelangen.

Weitere News

Zedernsohle gegen Schweißfüße

21.02.2012 | Schweißfüße sind unangenehm Wenn die Füße riechen ist das ziemlich unangenehm für den Betreffenden. Jeder Fuß...

weiter in Zedernsohle gegen Schweißfüße ...

29. Oktober 2011: Weltschlaganfalltag

317 mal gelesen. Rang 25 auf medikamente-und-arznei.de.

28.10.2011 | Schlaganfall-Hilfe bietet Informationen zur Steigerung der Compliance

weiter in 29. Oktober 2011: ...

Generika bieten dreifachen Nutzen - wenn man sie lässt

324 mal gelesen. Rang 22 auf medikamente-und-arznei.de.

30.05.2011 | Das belegen Studien wie der Arzneimittel-Atlas 2010: Ärzte können unter deutlich mehr Präparaten auswählen;...

weiter in Generika bieten dreifachen Nutzen - ...

Cytomegalievirus-Test von Roche in Europa zugelassen

27.05.2011 | Roche führt einen neuen Test zur Quantifizierung des Cytomegalievirus (CMV) in Europa ein. Das...

weiter in Cytomegalievirus-Test von Roche in ...

Europäische Impfwoche beginnt

20.04.2011 | "Impfungen schützen vor Infektionskrankheiten und zählen zu den effektivsten und kostengünstigsten...

weiter in Europäische Impfwoche beginnt ...



Aktuelles

Zedernsohle gegen Schweißfüße

Schweißfüße sind unangenehm Wenn die Füße riechen ist das...

weiter ...

29. Oktober 2011: Weltschlaganfalltag

Schlaganfall-Hilfe bietet Informationen zur Steigerung der...

weiter ...

Weitere Themen

Offizieller Startschuss für brandenburgisches Telemedizin- Netz gefallen

Hochrisiko-Herzpatienten werden aus der Ferne rund um die...

weiter ...

Bundesverwaltungsgericht unterstreicht Bedeutung des Nacht- und Notdienstes

Mit der jüngsten Entscheidung zum Nacht- und Notdienst in...

weiter ...

Archiv

Das Handy als Thermometer, Blutdruck- und Blutzuckermesser

Smartphones können bei Therapie und Gesundheitschecks helfen...

weiter ...

Krankenkassen erreichen positives Finanzergebnis im ersten Quartal 2011

In den ersten drei Monaten 2011 haben die gesetzlichen...

weiter ...