Mehr als Medikamente
Mit der Auftaktveranstaltung am 24. Januar starten 14 Apotheken in und um Augsburg das bundesweit einmalige Modellprojekt "Case-Management in Apotheken". Die intensivierte Betreuung hört nicht mehr beim Medikament auf, sondern erfasst auch persönliche Probleme der Patienten. Das Projekt wird wissenschaftlich begleitet. Kooperationspartner sind der Qualitätszirkel Pharmazeutische Betreuung Augsburg, die Bayerische Landesapothekerkammer, das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen, die betapharm Arzneimittel GmbH und das gemeinnützige beta Institut für sozialmedizinische Forschung und Entwicklung, Augsburg.
Zum ersten Mal in Deutschland werden Apotheker ihr angestammtes Betätigungsfeld, alles rund um Medikamente, verlassen und in der Betreuung von Patienten einen Schritt weiter gehen. Sie hören sich die Sorgen und Nöte ihrer Patienten nicht mehr "nur" an, sondern sind als Case-Manager befähigt, Beratungsstellen, Einrichtungen und Behörden zu nennen, die beim jeweiligen Problem wirklich weiterhelfen können. Sie vermitteln den Kontakt zu Selbsthilfegruppen oder beantworten einfache sozialrechtliche Fragen. Bei komplizierten Fragen haben die Projekt-Apotheker jederzeit Zugriff auf die Service- und Informationsangebote des beta Instituts. Hauptzielgruppe des Case-Managements in Apotheken sind chronisch Kranke und Patienten mit mehreren Krankheiten.
"Case-Management" (Case = Fall) stellt den Patienten in den Mittelpunkt des Interesses. Der Fokus richtet sich nicht mehr nur auf das Medikament, seine Wirkungen, Wechselwirkungen, Inhaltsstoffe, Einnahme und Verträglichkeit, sondern auf den ganzen Patienten. Auch bei sozialen, psychischen, finanziellen, juristischen und anderen Problemen, die bei langen und schweren Krankheiten oft dazu kommen, wissen die Apotheker jetzt Rat.
Das Projekt baut auf die hohe Kompetenz der Apotheker und das große Vertrauen auf, das viele Patienten in den Apotheker und seine Mitarbeiter haben. In fünf Fortbildungen erwerben alle pharmazeutischen Mitarbeiter der 14 Projektapotheken das notwendige Wissen für die erweiterte Betreuung: Sozialrecht, Anlaufstellen, Grundlagen des Case-Managements, psychologische Aspekte und Kommunikation. Letzteres ist besonders wichtig, da eine optimierte Kommunikation hilft, die wirklichen Probleme des Patienten zu erkennen und dann so zu beraten, dass der Patient auch versteht und die Information für sich akzeptiert. Ziele des Projektes sind (1) eine höhere Lebensqualität für die Patienten, (2) eine intensivere Bindung an die Apotheke und (3) eine dauerhafte Kompetenzerweiterung bei den Apothekern.
Case-Management in Augsburg ist nicht neu. Der Bunte Kreis betreut chronisch, krebs- und schwerstkranke Kinder und ihre Familien in ganz Schwaben nach dieser Methode und hat maßgeblich dazu beigetragen, dass Case-Management im deutschen Gesundheitswesen zum Thema wurde. Das beta Institut für sozialmedizinische Forschung und Entwicklung ist aus dieser praktischen Arbeit hervorgegangen. Das Institut hat das Projekt maßgeblich mit entwickelt, führt die Fortbildungen durch und erstellt zusammen mit der Humboldt-Universität Berlin eine begleitende wissenschaftliche Studie.
Auch die Augsburger Apotheker sind für ihre Innovationsfreude bekannt: Sie gründeten beispielsweise den ersten Qualitätszirkel Pharmazeutische Betreuung in Bayern.
Das Projekt wird gefördert vom Bayerischen Arbeits- und Sozialministerium und finanziert von der betapharm Arzneimittel GmbH und der Bayerischen Landesapothekerkammer.
"Case-Management in Apotheken" wird keine Augsburger Besonderheit bleiben. Die Baden-Württembergische Landesapothekerkammer will eine zertifizierte Case-Management-Fortbildung für ihre Mitglieder entwickeln. Mit weiteren Kammern laufen Gespräche.
Quelle: Pressemeldung betapharm Arzneimittel GmbH
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