Soziale Beratung als Herausforderung und Chance für Apotheker

21.09.2006 | Augsburg
"Eine qualitätsgesicherte sozialmedizinische Beratung für Patienten ist für die Apotheke vor Ort eine große Chance", betonte heute Dr. Wolfgang Niedermaier, Geschäftsführer der betapharm Arzneimittel GmbH, auf der Expopharm in München. In Deutschland steht die medizinisch-pharmazeutische Versorgung zwar auf einem hohen Niveau - die psychosozialen Bedürfnisse der Patienten werden im Gesundheitssystem dagegen noch nicht ausreichend berücksichtigt.

Mit mehr sozialer Beratung könnten die rund 20.000 Apotheken in Deutschland diese Versorgungslücke schließen, nachweislich die Lebensqualität der Patienten verbessern und sich zudem deutlicher positionieren. Das Augsburger Arzneimittelunternehmen bietet Apothekern mit dem Wissenssystem betaCare, - qualitätsgesichert durch das gemeinnützige beta Institut - eine praxisorientierte Serviceleistung für Apotheken auf dem Gebiet der sozialen Beratung an.

Die Erwartung an die Apotheken ist hoch. Und der Beratungsbedarf wird weiter steigen, wie eine aktuelle Umfrage der Markenagentur Icon Added Value bestätigt. Jeder dritte von 800 Befragten (36 %) geht davon aus, dass die Beratung in der Apotheke in den kommenden zwei Jahren deutlich besser wird, dagegen behauptete dies nur etwa jeder siebte (16 %) von der Behandlung beim Arzt. Andere Studien zeigen, dass insbesondere Eigenschaften wie "Menschlichkeit" und "pharmazeutische Beratung" bei den wahrgenommenen Stärken der Apotheken ganz oben liegen.

Dafür gibt es mehrere Ursachen: Im Allgemeinen nehmen die Leistungen des Gesundheitssystems ab, im Speziellen verkürzen sich zum Beispiel die Liegezeiten in Krankenhäusern. Von Patienten wird mehr Eigenengagement erwartet, bei einem gleichzeitigen demografischen Wandel hin zu einer älteren Gesellschaft mit mehr multimorbiden und chronisch kranken Patienten. Die Zahl überforderter Menschen nimmt auf diese Weise weiter zu: etwa der mobilitätseingeschränkte Rentner, der einen speziellen Parkausweis für seinen Pkw beantragen muss, die Tochter, die schnelle Hilfe nach dem Schlaganfall ihres Vaters braucht, oder die Eltern mit einem schwerstbehinderten Kind, die eine Reha-Maßnahme benötigen.

Horst Erhardt, Geschäftsführer des beta Instituts in Augsburg, berichtete über die Ergebnisse eines wissenschaftlich begleiteten Modellprojekts: Die Studie zeigt, dass die soziale Beratung in Apotheken das psychische und körperliche Wohlbefinden belasteter Patienten signifikant verbessert. Insgesamt erhöht sich die Lebensqualität der Patienten deutlich. "Der Apotheker ist bestens geeignet, um zur Gesundheitsedukation beizutragen. Er hat eine hochangesehene Ausbildung und der Zugang zu ihm ist sehr niederschwellig.", so Erhardt.

Neben der "Light-Version" einer Beratung am Apotheken-Counter könne soziale Beratung strukturiert auch im Rahmen komplexerer Case-Management-Programme erfolgen, wie die Erfahrungen mit dem mammaNetz zeigen. Mit diesem Projekt wurden ab September 2003 erstmals im deutschen Gesundheitswesen regional Brustkrebspatientinnen durchgehend von der Diagnose bis zur Nachsorge begleitet. Zentrales Anliegen ist, die Patientinnen über alle Behandlungsstationen hinweg zu vernetzen und bei allen Fragen und Problemen als Ansprechpartner - dazu zählen auch die Apotheken - zur Verfügung zu stehen.

Seit diesem Frühjahr besteht ein Kooperationsprojekt zwischen betapharm, dem beta Institut und fünf Apothekerverbänden. Den beteiligten Apotheken steht das Wissenssystem betaCare mit Informationsmedien und Seminaren zur Verfügung. betaCare ist eine umfangreiche Informationsbasis, um belastete Patienten flächendeckend und effizient besser sozial beraten zu können. In der Modellregion Sachsen-Anhalt haben inzwischen mehr als 80 Prozent der Apotheken an den betaCare-Seminaren teilgenommen. Auch Apotheker Gert Fiedler aus Magdeburg, 1. stellvertretender Vorsitzender des Landesapothekerverbandes Sachsen-Anhalt, ist von den Integrationsmöglichkeiten des betaCare-Angebotes überzeugt. "Das Angebot ist sehr praxisorientiert und lässt sich hervorragend in die tägliche Arbeit einbinden", so Fiedler.

"Der freie Heilberuf des Apothekers unterscheidet sich deutlich vom Arzneimittelhändler, auch die soziale Beratung der Patienten gehört zum Selbstverständnis dieses Berufes", sagte Monika Koch, Vorsitzende des Sächsischen Apothekerverbandes in Leipzig. Deshalb habe auch der Apothekerverband Sachsen gerade entschieden, sich dem betaCare-Vertrag anzuschließen. Die bereits vorhandene Nähe zum Patienten und dessen Betreuung und Beratung sei ein essenzieller Bestandteil der Arbeit in der Apotheke. "Die Politik muss die Antwort geben, welchen Apotheker sie in Zukunft haben möchte", so Koch.

"Alle bisherigen Anstrengungen der Politik erzielen weniger Markt und mehr Regulierungen", stellte Dr. Wolfgang Niedermaier von betapharm fest. "Eine zusätzliche Leistungsfähigkeit durch Wissensvermittlung, sozialmedizinische Beratung und Gesundheitserziehung macht die Apotheke vor Ort wettbewerbsfähiger und patientenfreundlicher gegenüber reinen Arzneimittel-Distributions- und Abgabestellen."

Die Leistungen von betaCare

Zu den umfangreichen Angeboten von betaCare gehören: die betaListe, das zur Expopharm bereits in der 6. überarbeiteten Ausgabe erschienene Lexikon für Sozialrecht und Selbsthilfeorganisationen; das betanet, eine Internet-Suchmaschine für Sozialfragen und Adressen; das betafon, der telefonische Expertenrat für Sozialfragen; eine Ratgeber-Reihe zu verschiedenen Krankheiten und Sozialthemen; betaCare Schmerz und Palliativ, ein Projekt zur zentralen Information über Schmerz- und Palliativfragen sowie betaCare Seminare zur Fortbildung in Fragen sozialer Beratung und E-Learning-Fortbildungsmodule zum Umgang mit den betaCare Medien und zur Patientenvorsorge.

Quelle: Pressemeldung betapharm Arzneimittel GmbH

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