Soziale Kompetenz in Apotheken

24.03.2004 | Augsburg
Apotheken sind hervorragend geeignet, ihre Patienten nicht nur pharmazeutisch, sondern auch in sozialen Fragen erfolgreich zu betreuen. Das beweist die soeben abgeschlossene Studie zum Case Management in Apotheken. Die soziale Beratung verbessert die Lebensqualität von belasteten Patienten signifikant.

"Case Management" ist eine innovative und besonders patientenorientierte Methode. Der Case Manager verlässt den pharmazeutischen Blickwinkel, betrachtet den Menschen in seiner Gesamtheit und berücksichtigt dabei auch finanzielle, psychische und soziale Aspekte.

Die Zahl mehrfach belasteter Patienten wird weiter zunehmen, weil (1) die traditionellen sozialen Netze wegbrechen, (2) Patienten dank medizinischem Fortschritt mit immer komplizierteren Krankheitsbildern immer länger leben, und (3) der Gesundheitssektor immer komplizierter wird. Das soll der "mündige" Patient bewältigen, doch dieser braucht Zugang zu Informationen. Soziale Information und Beratung werden also immer notwendiger - und Apotheken sind ideal geeignet, dies erfolgreich zu übernehmen. Das ist das wichtigste Ergebnis der Studie zum "Case Management" in Apotheken.

Case Management in Apotheken

Für die Studie zur Machbarkeit von Case Management in Apotheken wurde 2002/2003 in 22 Apotheken im Raum Augsburg und Weiden ein wissenschaftlich begleitetes Modellprojekt mit 120 Patienten durchgeführt. Die Apothekerin Doris Schmid-Sroka leitete für das beta Institut für sozialmedizinische Forschung und Entwicklung die Studie und kooperierte mit Prof. Dr. Marion Schaefer, Charité Berlin, der Bayerischen Landesapothekerkammer, den Qualitätszirkeln Pharmazeutische Betreuung Augsburg und Weiden sowie der betapharm Arzneimittel GmbH. Die Studie wurde gefördert vom Bayerischen Sozialministerium.

Die Studie ergab eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität bei Patienten, die mit Hilfe von Case Management in der Apotheke sozial beraten wurden. Dies wurde mit drei Patientenbefragungen vor, unmittelbar nach und sechs Monate nach der Betreuung ermittelt.

Die Studienpatienten waren zufriedener und fühlten sich umfassend betreut. Die psychische Summenskala (siehe Grafik) erreichte sogar Normalwerte, das heißt: Obwohl schwer belastet, fühlen sich die Patienten nach eigenen Angaben psychisch gut. Das war so deutlich nicht zu erwarten. Auch die körperliche Befindlichkeit verbesserte sich - ebenfalls überraschend, denn in der Studie wurde nur sozial beraten. Die hohen Werte der dritten Befragungswelle sechs Monate nach der Betreuung belegen zudem, dass die Beratung nachhaltigen Erfolg hat.

Die Ziele der Studie wurden komplett erreicht: Neben der festgestellten signifikanten Verbesserung der Lebensqualität wurde der Bedarf an sozialer Beratung festgestellt und bewiesen, dass sich Case Management in Apotheken umsetzen lässt. Um die Apotheker und ihre Mitarbeiter für die neue Aufgabe zu qualifizieren, wurde eine spezielle Case-Management-Fortbildung entwickelt.

In dieser Fortbildung vermittelten die Referenten (1) die Methode Case Management mit ihrem strukturierten Vorgehen, (2) Wissen und Erfahrungen zur wirkungsvollen Kommunikation mit belasteten Patienten sowie (3) sozialrechtliches Grundwissen, um gezielt helfen zu können. Die Fortbildung wird mittlerweile auch unabhängig von der Studie angeboten. Ein Kurs startet am 24. März in Augsburg. Die Bayerische Landesapothekerkammer rechnet ihren Mitgliedern für die Teilnahme 47 Fortbildungspunkte an.

Sinnvolles und erfolgreiches Engagement der Apotheken

Der Erfolg der Studie erklärt sich nicht nur aus der Methode Case Management und der Fortbildung. Apotheken bieten ideale Voraussetzungen, um Patienten in sozialen Fragen zu beraten: Sie genießen hohes Vertrauen bei den Patienten. Das flächendeckende Netz ermöglicht einen wohnortnahen und niedrigschwelligen Zugang für Patienten. Besonders zur Hauptzielgruppe, multimorbiden, älteren Patienten, unterhält die Apotheke bereits eine persönliche Stammkunden-Beziehung, die als Basis für eine weitergehende Beratung genutzt werden kann. Die Pharmazeutische Betreuung bietet eine strukturierte Basis, in die Case Management als sozialer Baustein integriert werden kann.

Mit dem Engagement für das Modellprojekt und die Studie haben Apotheken in Bayern gezeigt, was das Gesundheitswesen braucht und was Apotheken mit sozialer Kompetenz leisten können. Neben der sechstägigen Fortbildung zum Case Management wurde aus der Studie heraus zudem eine vierstündige Schulung für soziale Beratung entwickelt. Diese Schulung haben bereits 600 Teilnehmer in Bayern absolviert. Sie wird ab Sommer 2004 auch in Niedersachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt angeboten. Weitere Landesapothekerkammern haben ihr Interesse angemeldet.

Apotheken intensivieren Kundenbindung

Mit sozialer Beratung positionieren sich die Apotheken im zunehmenden Wettbewerb. Case Management ist eine Leistung, die zusätzliche Kompetenz erfordert und nur auf der persönlichen Vertrauensbasis zwischen Patient und Apotheke erbracht werden kann. Die zusätzliche Unterstützung erhöht die Kundenbindung, denn wer mit der Betreuung zufrieden ist, bleibt seiner Apotheke treu und empfiehlt sie weiter. Case Management qualifiziert Apotheken mit Blick auf das Hausapothekenmodell und als Partner in Projekten der Integrierten Versorgung.

Quelle: Pressemeldung betapharm Arzneimittel GmbH

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