VDE: Löst Technik Ärzte ab?

19.11.2008 | Frankfurt am Main
Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes belasten die deutsche Volkswirtschaft mit jährlich 60 Milliarden Euro. Aufgrund der demographischen Entwicklung werden sie zu einer der größten medizinischen und finanziellen Herausforderungen für das Gesundheitssystem im 21. Jahrhundert.

Häufige und langwierige Krankenhausaufenthalte aufgrund von Dekompensationen lassen die Therapiekosten explodieren. Gleichzeitig werden immer mehr ältere Menschen klinisch betreut, die Zeitanforderung an Ärzte und Pflegepersonal steigt. Große Chancen für die Versorgung kranker und älterer Menschen bietet die Medizintechnik. So verbessern neue Technologien wie das Telemonitoring die Qualität in der Diagnose und Therapie gravierend, die Patientensicherheit und Effizienz werden erhöht, dem Personalmangel wird entgegenwirkt. Gleichzeitig bietet TeleMonitoring nach Ansicht des VDE Einsparpotenziale in Milliardenhöhe.

Einsparpotenziale in Milliardenhöhe

Ein Großteil der Milliarden-Aufwendungen für die Volkskrankheiten verteilt sich auf die Kosten im stationären und teilstationären Bereich. Daneben wird die häusliche Pflege immer teurer. Der Einsatz von Ambient Assisted Living-Systemen, also intelligenten Assistenzsystemen, sorgt hier für deutliche Kosteneinsparungen. Denn der besonders teure stationäre Aufenthalt kann durch die Systeme entbehrlich gemacht oder verkürzt werden. Durch Telemonitoring können beispielsweise die Kosten für die Versorgung der über 1,8 Millionen Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz um 30 Prozent jährlich gesenkt werden. Das zeigen erste Studien und Modellrechnungen. Dabei wird die Betreuung und die gesundheitliche Verfassung der Betroffenen verbessert, der Zeitaufwand für die Behandlung reduziert sowie die Zahl der Neu- und Folgeerkrankungen verringert. So verursachen durch Telemonitoring gut eingestellte Diabetes-Patienten bis zu 90 Prozent weniger Betreuungskosten als Kranke mit einem dauerhaft zu hohen Blutzuckerwert. "Durch den Einsatz von Telemonitoring verbessert sich der Gesundheitszustand des Patienten erheblich, da die Patienten bewusster und damit gesünder leben", berichtet Prof. Dr. Hartmut Gehring vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein und Mitglied des VDE-Präsidiums. Die Patienten schätzen die schnelle Hilfe, die erhöhte Sicherheit, eine verbesserte Betreuung und Lebensqualität als Vorteile.

Ambient Assisted Living als Innovationstreiber

Aufgrund der demographischen Entwicklung bietet Ambient Assisted Living wichtige Perspektiven und einen künftigen Wachstumsmarkt für Unternehmen. Für 55 Prozent der VDE-Mitgliedsunternehmen ist Deutschland in der Medizintechnik weltweit führend. Unternehmen, die in Ambient Assisted Living investieren, haben die Möglichkeit, innovative Geräte, Systeme und Dienstleistungen für den Weltmarkt zu entwickeln. Die EU treibt auf europäischer Ebene das Thema Ambient Assisted Living voran. 23 Staaten der Europäischen Union fördern zusammen mit der Schweiz, Norwegen und Israel neue technologische Lösungen mit 300 Millionen Euro für den Zeitraum bis 2013. TeleMonitoring-Projekte bilden dabei den Schwerpunkt der Förderung.

Löst die Technik Ärzte ab?

Löst die Medizintechnik Ärzte ab? Mitnichten. Die Systeme dienen als Hilfe. Abwägen und entscheiden muss immer der Arzt, der die Therapie durchführt. Im Zeitraum von 1991 bis 2006 hat sich die Zahl der Krankenhausärzte von 121.200 auf 148.300 erhöht. Das entspricht einer Steigerungsrate von 22 Prozent. "Allerdings muss die Zahl der Ärzte weiter zunehmen, um die Möglichkeiten der modernen Medizintechnik mit neuen Diagnose- und Therapieverfahren auszuschöpfen", fordert Prof. Gehring. Medizintechnik rettet das System, macht es finanzierbar. Denn trotz des Anstiegs der chronischen Erkrankungen und des demografischen Wandels ging vom Jahr 1991 bis zum Jahr 2004 die Verweildauer in den Krankenhäusern von durchschnittlich 14 Tagen um rund 40 Prozent auf 8,5 Tage zurück, die Bettenzahl sank um mehr als 155.000. Gleichzeitig nahm die Zahl der Behandlungsfälle um über 15 Prozent von 1991 bis 2006 deutlich zu.

Beim TeleMonitoring senden medizinische Sensoren am Körper des Patienten per Mobilfunk oder Internet Vitalparameter wie Blutdruck, Puls, Gewicht, Blutzucker, Sauerstoffsättigung und EKG. Die Daten werden an ein Telemedizinisches Zentrum, ein Krankenhaus oder einen Arzt übertragen, gespeichert und bewertet. Aufgrund der Informationen, die das System laufend zur Verfügung stellt, können Prävention und Behandlung bei Herz-Kreislauf-Erkrankten wesentlich verbessert, Folgekrankheiten vermieden, kann Leben erhalten oder verlängert werden.

Quelle: Pressemeldung VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V.

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