Wider die Illusion

20.05.2011 | Berlin
Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) mahnt dringenden Handlungsbedarf in bestimmten Bereichen der Arzneimittelversorgung an. Es ist eine Illusion, dass nach den gesetzgeberischen Maßnahmen des vergangenen Jahres die Arzneimittelversorgung zufriedenstellend geregelt ist, denn das Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG) hat sich nur mit Erstattungsfragen beschäftigt.

Eklatante Versorgungsdefizite bestehen weiter. Wenn tatsächlich in diesem Jahr die Verbesserung der Versorgung auf der Tagesordnung steht, kommt man nicht umhin, sich auch um Fragen der Verfügbarkeit von Arzneimittel zu kümmern. "Wir haben beispielsweise bei Schmerztherapie, bei Krankheiten wie Neurodermitis oder Epilepsie gravierende Probleme und die ausreichende und notwendige Versorgung ist nicht gesichert. Zudem ist es dringend erforderlich, dass Grundsatzfragen, wie die Legitimation des Gemeinsamen Bundesausschusses, der die Leistungen der GKV definiert, gestellt werden. Wir brauchen hier auch die Einbindung der unabhängigen Wissenschaft durch eine wissenschaftliche Schiedskommission, die auch bei Streitfragen angerufen werden kann", erklärte Dr. Bernd Wegener, Vorstandsvorsitzender des BPI.

Problematisch ist z. B., so der BPI, die Versorgungslage für Epileptiker. Durch den, wegen der Rabattverträge, ausufernden Austausch von Arzneimitteln kann es aufgrund der sehr unterschiedlichen Bioverfügbarkeit des Wirkstoffes in unterschiedlichen Medikamenten zu kritischen Dosierungsschwankungen beim jeweiligen Patienten kommen. "Es kann so zu unnötigen Schüben und eigentlich vermeidbaren epileptischen Anfällen kommen. Hier muss dringend eine Liste mit kritischen Diagnosen festgelegt werden, bei denen nicht ausgetauscht werden darf, denn solche Probleme können auch bei Asthma oder Depressionen entstehen", erklärte Prof. Barbara Sickmüller, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin des BPI.

Der BPI fordert im Einzelnen neun Veränderungen in der Arzneimittelversorgung:

1. "Strikte Liste" oder "Critical Dose Drugs List", das heißt eine Liste von Indikationen und Wirkstoffen, bei denen

  • der Austausch in der Apotheke verboten ist,
  • die Verordnung nicht auf "Wirtschaftlichkeit" geprüft wird.

2. Konzertierte Aktion "Kinderarzneimittel" unter Leitung des Bundeskanzleramtes.

3. Schwere Fälle von Neurodermitis in die OTC-Erstattungsliste aufnehmen.

4. Besondere Therapieformen in Versorgungsverträgen ermöglichen.

5. Schmerztherapie von der Wirtschaftlichkeitsprüfung ausnehmen.

6. Preiserhöhungen bei erheblichen Rohstoffpreissteigerungen zulassen.

7. G-BA: Unabhängige Wissenschaft einbinden

  • durch eine wissenschaftliche Schiedskommission, die den "Gemeinsamen Bundesausschuss" überprüft und von Betroffenen angerufen werden kann.

8. Die Wirtschaftlichkeitsprüfung entfällt grundsätzlich für Arzneimittel

  • wenn eine Vereinbarung mit den Kassen besteht,
  • bei Arzneimitteln gegen seltene Erkrankungen.

9. Vorschlag: Reform der Zuzahlungsregelungen.

Quelle: Pressemeldung Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie e.V.

Dieser Beitrag wurde bisher 241 mal gelesen.
(Rang 44 auf medikamente-und-arznei.de)

Klicken Sie hier um zum Anfang der Seite zu gelangen.

Weitere News

Das Handy als Thermometer, Blutdruck- und Blutzuckermesser

17.11.2011 | Smartphones können bei Therapie und Gesundheitschecks helfen Rund 15.000 Gesundheits-Apps Apps als...

weiter in Das Handy als Thermometer, ...

Krankenkassen erreichen positives Finanzergebnis im ersten Quartal 2011

328 mal gelesen. Rang 20 auf medikamente-und-arznei.de.

17.06.2011 | In den ersten drei Monaten 2011 haben die gesetzlichen Krankenkassen ein Plus von 1,468 Milliarden Euro...

weiter in Krankenkassen erreichen positives ...

Forschung zum Mitmachen: Boehringer Ingelheim auf dem Wissenschaftsmarkt in Mainz

322 mal gelesen. Rang 24 auf medikamente-und-arznei.de.

30.05.2011 | Boehringer Ingelheim präsentiert sich auch in diesem Jahr auf dem Wissenschaftsmarkt der Johannes...

weiter in Forschung zum Mitmachen: Boehringer ...

Steigende Zuzahlungen für Kassenpatienten

21.04.2011 | Kassenpatienten mussten im vergangenen Jahr 1,8 Milliarden Euro für Arzneimittel auf Rezept aus der eigenen...

weiter in Steigende Zuzahlungen für ...

Bayer und Regeneron beginnen Phase-III-Studienprogramm bei diabetischem Makula-Ödem

08.04.2011 | Bayer HealthCare und Regeneron Pharmaceuticals starten die erste von zwei Phase-III-Studien mit dem klinischen...

weiter in Bayer und Regeneron beginnen ...



Aktuelles

Zedernsohle gegen Schweißfüße

Schweißfüße sind unangenehm Wenn die Füße riechen ist das...

weiter ...

29. Oktober 2011: Weltschlaganfalltag

Schlaganfall-Hilfe bietet Informationen zur Steigerung der...

weiter ...

Weitere Themen

Offizieller Startschuss für brandenburgisches Telemedizin- Netz gefallen

Hochrisiko-Herzpatienten werden aus der Ferne rund um die...

weiter ...

Bundesverwaltungsgericht unterstreicht Bedeutung des Nacht- und Notdienstes

Mit der jüngsten Entscheidung zum Nacht- und Notdienst in...

weiter ...

Archiv

Das Handy als Thermometer, Blutdruck- und Blutzuckermesser

Smartphones können bei Therapie und Gesundheitschecks helfen...

weiter ...

Krankenkassen erreichen positives Finanzergebnis im ersten Quartal 2011

In den ersten drei Monaten 2011 haben die gesetzlichen...

weiter ...