Winn: Politik wird von Ärzten und Patienten die Quittung für verfehlte Gesundheitspolitik bekommen

26.10.2007 | Berlin
Trotz scharfer Kritik in der Sache: Gut acht Monate nach der Verabschiedung der jüngsten Gesundheitsreform hat der Vorsitzende des Hartmannbundes, Dr. Kuno Winn, an die Ärzte in Deutschland appelliert, sich den Veränderungen zu stellen, Herausforderungen anzunehmen und Risiken so weit wie möglich zu vermeiden.

"Realisieren wir, dass die Reform beschlossen ist. Kämpfen wir mit vollem Elan für eine bessere Reform 2009. Und sammeln wir unsere Kräfte für den Blick nach vorn, statt im Zorn zurück zu schauen", sagte Winn auf der Hauptversammlung seines Verbandes in Potsdam. Gleichzeitig kündigte der Hartmannbund-Vorsitzende den politisch Verantwortlichen "pünktlich zu den nächsten Wahlen" die Quittung für ihre verfehlte Gesundheitspolitik an. "So viel Zorn muss dann doch sein", so Winn vor den rund 150 Delegierten und Gästen. Diesem werde man gemeinsam mit den betroffenen Patienten durch Proteste und andere Maßnahmen Ausdruck verleihen. "Wir werden unseren Patienten sagen, dass der Staat uns daran hindert, ihnen die bestmögliche medizinische Versorgung zu gewähren. Wir werden ihnen sagen, dass ihre wohnortnahe Versorgung gefährdet ist und wir werden ihnen sagen, dass die Politik sie belügt, wenn Sie ihnen verspricht, mit immer weniger Geld sei moderne Medizin noch bezahlbar", sagte Winn. Als "Irrsinn" bezeichnete Winn Auswüchse rund um das Thema Prämien- und Rabattverträge. "Wenn das der versprochene Wettbewerb ist, dass man uns Ärzten ein paar Euro in die Tasche stecken will, wenn wir nicht mehr das sinnvollste Medikament, sondern das von der Kasse gewünschte billigste Präparat verschreiben, dann ohne mich". Angesichts der Dreistigkeit, mit der die Bundesregierung ärztliche Forderungen zur elektronischen Gesundheitskarte ignoriere, stellte Winn die bisher konstruktive Begleitung des Projektes e-Card durch den Hartmannbund in Frage. Wenn es nicht die erforderlichen Signale der Regierung gäbe, dann werde die Karte bestenfalls gegen den entschlossenen Widerstand der Ärzteschaft eingeführt. Für seinen Verband kündigte Winn eine weitere Intensivierung der Mitgliederbetreuung an. "Wir werden als Verband aller Ärzte unsere Mitglieder in ihrer besonderen Situation mit ihren spezifischen Problemen noch gezielter ansprechen. Wir wollen und werden diejenigen sein, die auf die aktuell anliegenden Fragen von Ärztinnen und Ärzten in Deutschland die besten Antworten haben, die kompetentesten Hilfestellungen anbieten - mit unserem Beratungs- und Serviceangebot mit unseren Netzwerken ", sagte Winn. Thematischer Schwerpunkt der Hauptversammlung in Potsdam wird am bevorstehenden Wochenende das Thema Deprofessionalisierung sein. Unter der Überschrift "Neue Deutsche Light-Kultur - wer macht was im Gesundheitswesen?" wird sich der Hartmannbund in Diskussionen und Workshops zu der Frage positionieren, welche ärztlichen Aufgaben künftig gegebenenfalls durch andere Berufsgruppen im Gesundheitswesen übernommen werden könnten und unter welchen Bedingungen möglicherweise die Delegation von Aufgaben denkbar ist. "Wir sind keine Betonköpfe, die ohne Sinn und Verstand ihr Terrain verteidigen. Aber: Wir werden klare Eckpfeiler einschlagen, Bedingungen formulieren, Grenzlinien ziehen", kündigte Winn an.

Quelle: Pressemeldung Hartmannbund - Verband der Ärzte Deutschlands e.V.

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